DIE LETZTEN TAGE DER CEAUSESCUS
Reenactment des Ceausescu-Prozesses (in rumänischer Sprache)

20 Jahre nach dem Fall der Mauer inszeniert das IIPM den berühmtesten Schauprozess der europäischen Geschichte erstmalig als Reenactment in originalgetreu nachgebauten Kulissen.


Die Bilder der Aburteilung und Hinrichtung des Ehepaars Ceausescu am ersten Weihnachtstag 1989 haben sich als eines der mythischen Ereignisse der Weltgeschichte ins kollektive Unbewusste mehrerer Generationen von Fernsehzuschauern gebrannt. 20 Jahre später bringt das International Institute of Political Murder (IIPM) dieses Urereignis der Wende mit 16 Schauspielern in rumänischer Sprache auf die Bühne. Auf Grundlage von authentischen Videodokumenten und Zeugenberichten wird der letzte und berühmteste Schauprozess der europäischen Geschichte in originalgetreu nachgebauten Kulissen reinszeniert. Während der Recherche
wurden zahllose Gespräche mit den am Sturz und der Hinrichtung Beteiligten geführt. Daraus wurden 6 Monologe montiert, die den Prolog zum Prozess bilden und die Atmosphäre der Revolutionstage aus Euphorie, Unsicherheit und Verrat unmittelbar spürbar machen. DIE LETZTEN TAGE DER CEAUSESCUS stellt die Frage nach dem Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart, nach der Kraft und Bedeutung von medial tradierten Bildern. Die Inszenierung zeigt, wie Geschichte gemacht wird, indem das Ereignis minutiös dokumentiert und szenisch in der Form des Reenactments wiederholt wird.

Parallel zur Tournee der Inszenierung in Rumänien, Deutschland und der Schweiz erscheint im "Verbrecher Verlag" ein umfangreicher Dokumentationsband. Neben dem kommentierten Prozess-Protokoll finden sich darin kunsttheoretische und gesellschaftswissenschaftliche Beiträge zum Projekt, sowie ausführliches Recherchematerial zum Entstehungsprozess und zur Resonanz von DIE LETZTEN TAGE DER CEAUSESCUS.
Im Rahmen der Aufführungen wird zudem, in Koproduktion mit der NFP Berlin und Langfilm Zürich, eine Filmaufzeichnung der Theaterproduktion hergestellt.

Das IIPM - International Institute of Political Murder mit Sitz in Berlin und Zürich wurde 2007 von Milo Rau zusammen mit Simone Eisenring, Jens Dietrich, Marcel Bächtiger, Nina Wolters und Franziska Dick gegründet, um den Austausch zwischen Theater, bildender Kunst, Film und Forschung auf dem Gebiet des Reenactments - der Re-Inszenierung geschichtlicher Ereignisse - zu intensivieren und theoretisch zu reflektieren. Die Gründungsmitglieder arbeiten schon seit vielen Jahren in wechselnden Konstellationen und Formaten zusammen. Ihre bisherigen Produktionen, die an zahlreichen Theatern Deutschlands, Englands und der Schweiz gespielt wurden (HAU Berlin, Theaterhaus Gessnerallee Zürich, Maxim Gorki Theater Berlin, Tron Theatre Glasgow, Staatsschausspiel Dresden etc.), stiessen auf grosse Resonanz und stehen für eine neue, umfassend recherchierte und ästhetisch verdichtete Form politischen Theaters. Ihre letzte Produktion MONTANA wurde u. a.
ans Festival für Politik im Freien Theater Köln und ans Zeitgenössische Theatertreffen in Bern eingeladen. DIE LETZTEN TAGE DER CEAUSESCUS wurde im Rahmen der Voraufführungen in Bukarest mit Politikern, ehemaligen Dissidenten, am Prozess Beteiligten, mitJournalisten und der breiten Öffentlichkeit kontrovers diskutiert: Politisches Theater, das selbst zum Politikum wird.